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Frühe Zemella pp.
January 31, 2013 - 9:01:23 p.m.

 

Bevor ich zu meiner Ahnenlinie komme, möchte ich die ältesten gefundenen Zemella (damalige Schreibweise Zymela/Zymelka/Zemela/Zemelka, überwiegend mit dem polnischen Buchstaben "ł" geschrieben) in den einzelnen Parochien benennen (Bei der Namenschreibung verwende ich den Buchstaben "l", auch wenn ein "ł" geschrieben wurde):

 

Parochie Lubetzko

 

 

Geburt von Gertrudis Zemelka am 20.02.1730 in Borowska (auch Borowsko, Zborowsko(a)(y)), Vater Pauli Zemelka, Mutter Marianna Drenzinka.

 

Taufeintrag von Hedwigis Zemelka am 05.12.1732 in Bogdalo, Vater Pauli Zemelka, Mutter Marianna Drenzina.

 

Taufeintrag von Philippum Jacobum Zemelka am 04. oder 07.05.1735 in Bogdalo, Vater Gergio? (vermutlich ein Falscheintrag) Zemelka, Mutter Marianna Drendzina.

 

Im Taufbuch der Parochie Lublinitz befindet sich auch ein Eintrag aus dieser Zeit für den Bereich Bogdalo Parochia

 

Geburt von Philippum Jacobum am 07.05.1735, Vater Paulo Zemelka, Mutter Marianna Drendzina. Die Taufzeugen sind auch identisch. Daher dürfte der Eintrag Gergio Zemelka im Kirchenbuch Lubetzko falsch sein. Das Geburtsdatum könnte auch der 4. Mai sein.

 

 

Weitere Einträge über Gertrud(is), Hedwig(is), Philipp(us) und Jacob(us) Zemelka pp. sowie Sterbeeinträge von Paul Zemelka und Marianna Drendzina habe ich in den Kirchenbüchern nicht gefunden.

 

Heiratseintrag von Bartholomeum Zemelka (*ca. 1750 +24.12.1813 in Dralin) mit Josepha Haydukin (*11.03.1752 in Lissowitz +02.10.1774 in Lissowitz) am 02.10.1774 in Lissowitz.

Trauzeugen waren Mathio Dylla aus Kossmider und Gregorio Mikuda aus Zowada. Die Geburt von Bartholomeus Zemelka habe ich in den Taufbüchern von Lubetzko nicht gefunden. Ob er aus dem Bereich der Parochie Pawonkau stammte, lässt sich wohl nicht mehr feststellen, denn die Taufbücher beginnen dort erst ab 1766. Eine Verbindung des Bartholomeus Zemelka von Lubetzko nach Koschmieder wird durch den Taufpaten Mathio Dylla aus Kossmider deutlich. Zudem fanden die Heiraten überwiegend am Wohnort der Braut statt, so dass der Bartholomeus durchaus aus dem Bereich Koschmieder stammen konnte.

Aus der Ehe mit Josepha Haydukin stammten 6 Kinder, wobei bei 2 Kindern Josepha Pilarzonkin als Mutter eingetragen wurde. Die Mutter der Josepha, eine Maria Liskowa heiratete nach dem Tode ihres Mannes Thomas Hayduk am 13.11.1758 in Lissowitz Bartholomeus Pielarczyk. Daher wurde die Tochter mit dem Namen ihres Stiefvaters eingetragen.

Nach dem Tode von Josepha am 24.12.1783 heiratete Bartholomeus Zemelka am 08.02.1784 in Zowada Marianna Mikudzionka (*ca. 1760 + 15.11.1790 in Lissowitz). Aus dieser Ehe stammten 2 Kinder. Eine Maria Mikuda, Vater Georgio Mikuda, wurde am 05.02.1758 in Zowada geboren, Maria (Marianna) Mikuda könnte somit die Tochter des Trauzeugen Georgio Mikuda aus Bartholomeus 1. Ehe gewesen sein.

 

Taufeintrag von Maria Mikuda 05.02.1758 in Zowada, Vater Gregory Mikuda, Mutter Catharina Czyganin

 

Heiratseintrag Wittiber (Witwer) Bartek Zymela, Dreschgärthner aus Zowada, mit der Jungfer Marianna Mikudzionkin aus Zowada, vom 08.02.1784 in Zowada

Bartholomeus heiratete am 23.01.1791 in Lissowitz zum dritten Mal. Seine Frau Sophia Kozionka (*ca. 1766 +29.12.19791) starb ein knappes Jahr später im Wochenbett. Der Trauzeuge Andreas Kosytorz stammte aus Pluder (Nachbarparochie Pawonkau).

 

Heiratseintrag Wittiber (Witwer) Bartek Zymella, Halbhübner mit der Jungfer Sophia Kozionka aus Lissowitz, vom 23.01.1791 in Lissowitz

Danach heiratete Bartholomeus am 27.05.1792 ein weiteres Mal. Seine Frau Marysia (anderer Name für Marianna) Ptokin (*ca. 1766) stammte aus Koschmieder.

 

Heiratseintrag Wittiber (Witwer) Bartek Zymela, Halbhübner, mit Marysia Ptokin aus Koschmider, vom 27.05.1792 in Lissowitz

Aus dieser Ehe stammten 5 Kinder. Weiter sind in dieser Zeit Geburten von Kindern eines Bartek Zemelka und Marianna Sablonka mit 5 Kindern verzeichnet. Die Geburtsdaten deuten darauf hin, dass es sich bei den beiden um Bartholomeus Zemelka und Marysia Ptokin gehandelt. Eine Heirat der beiden ist in den Kirchenbüchern nicht zu finden. Evtl. hat auch hier die Mutter der Marianna neu geheiratet. Es gibt im Taufbuch Pawonkau 42/1775 einen Eintrag einer unehelichen Geburt am 18.11.1775 von Catharina Szablatarz, Mutter Marianna Szablatarz. Evtl. war sie die Mutter von Marianna. Sie war anschließend mit einem Mann namens Ptok verheiratet und wurde vom Pfarrer, nachdem ihr Mann gestorben war, wieder Szabla pp. genannt.

Somit zeugte Bartholomeus Zemelka/Zymela in 4 Ehen insgesamt 15 Kinder (8 Söhne und 7 Töchter). Von 5 Töchtern und einem Sohn konnte ich Nachkommen ermitteln.

Am 11.02.1798 ist in Lissowitz die Heirat eines Bartek (Bartholomeus)  Zymela aus Kosmider  (*ca. 1773 +14.03.1833 in Andreasthal) mit Agnes Strzoda (*20.01.1767 in Zowada +13.04.1847 in Koschmieder) verzeichent.

 

Heiratseintrag Junggeselle Barteg Zymela aus Koschmider mit der Jungfer Agnes Strzodin aus Zowada, am 11.02.1798 in Lissowitz

Die Geburt von Bartek habe ich nicht gefunden.

Der Bartek könnte aber von Andreas Zymelka (*ca. 1744 +30.01.1783 in Koschmieder) und Agrete Szczendzinowkin (*ca. 1750) abstammen. Die Heirat der beiden war am 08.10.1769 in Koschmieder.
Sie hatten 6 Kinder. Andreas war ein Sohn von Grzsek (Gregor) Zymela, der am 22.01.1764 als 70jähriger in Koschmieder starb und somit ca. 1694 geboren wurde.
Am 06.03.1771 wurde ein Gregorius geboren. Am 24.02.1775 wurde die Geburt eines weiteren Gregorius eingetragen. Dieser ist am 28.04.1799 in Koschmieder gestorben. Es ist unwahrscheinlich, in einer Familie zwei Kinder mit Gregorius zu benennen, es sei denn, der erste wäre gestorben, was hier aber nicht der Fall war. Weitere Einträge vom Gregorius habe ich nicht gefunden. Vermutlich hieß der erste Gregorius anders, evtl. ja Bartholomeus, denn häufig erhielten die erstgeborenen Jungen den Vornamen des Vaters. So wäre eine Verbindung zum Bartek Zymela hergestellt.

 

Sterbeeintrag Gregorius Zymela vom 22.01.1764 in Koschmider

 

Parochie Lublinitz

 

Geburt von Nicolaus Semelka am 05.12.1720 in Warmus (frühere Bezeichnung für Sol(l)arnia), Eltern Adalbertus Semelka und Susanna Zajanka.
 

Taufeintrag von Nicolaus Semelka vom 05.12.1720 in Warmus

 

Im Oktober 1721 ist die Heirat von Adalbert Zemelka und Hedwiga Polockowna aus Warmus  verzeichnet. Trauzeuge war u. a. ein Gregorius Zemelka (der Gregorius aus Koschmieder?).

 

Heiratseintrag vom 17.10.1721 von Adalbertus Zemelka mit Hedwige Polockowna aus Warmus

 

Geburt von Maria Zemelka am 02.08.1722, Eltern Adalbertus Zemelka und Hedwigis ?kowna
 

Taufeintrag von Maria Zemelka vom 02.08.1722

 

Geburt von Magdalene Zemelka am 20.06.1726. Die Eltern waren Adalbertus Zemelka und Hedwigis (Polockowna).
 

Taufeintrag von Magdalena Zemelka vom 20.06.1726

 

Geburt von Thomas Zemelka am 16.10.1727 in Warmus. Die Eltern waren Adalbertus Zemelka und Hedwigis (Polockowna).
 

Taufeintrag von Thomas Zemelka vom 16.10.1727 aus Warmus (Rustici=Bauer)

 

Am 23.01.1757 ist die Heirat von Thomas Zymelka und Agnes Pieprziconka verzeichnet. Von ihnen habe ich 3 Kinder gefunden. Der Thomas war ein Sohn von Adalbertus Zemelka.
 

Heiratseintrag von Thomas Zymelka und Agnete Pieprziconka vom 23.01.1757

 

Inwieweit die Zemelka/Zymelka aus Lublinitz mit denen aus den Parochien Pawonkau und Lubetzko verwandt sind, kann ich nicht sagen, es ist aber zu vermuten, dass verwandtschaftliche Verbindungen bestanden haben.

 

Parochie Pawonkau

 

 

Sterbeeintrag vom Kind Josephus Zemela am 18.01.1743 in Pluder. Vater war Martini Zemela.

Sterbeeintrag Josephus Zemela vom 18.01.1743 in Pluder

 

Sterbeeintrag vom Kind Paulus Zemela am 23.07.1754 in Klein Lagiewnik. Vater war Gregory Zemela.

Sterbeeintrag Paulus Zemela vom 23.07.1754 in Klein Lagiewnik

 

Sterbeeintrag des Gregorius Zymela am 22.01.1764 in Koschmider im Alter von 70 Jahren. Die Geburt war somit ca. 1694.

Sterbeeintrag Gregorius Zymela vom 22.01.1764 in Koschmider

 

Sterbeeintrag von Martin Zymela am 07.12.1766 in Pluder im Alter von 70 Jahren, Todesursache "altershalber". Die Geburt war somit ca. 1696. Eventuell mein Obervater (Generation VII) und Bruder von Gregorius Zymela.

Sterbeeintrag Martin Zymela vom 07.12.1766 in Pluder

 

Sterbeeintrag von Catharina Zymelina am 22.06.1775 in Klein Lagienwik im Alter von 80 Jahren, Todesursache "altershalber". Die Geburt war somit ca. 1695. Sie war evtl. die Ehefrau von Gregorius Zymela.

Sterbeeintrag von Catharina Zymelina vom 13.06.1775 in Klein Lagiewnik

 

Sterbeeintrag von Catharina Zymelino am 13.09.1794 in Pluder im Alter von 76 Jahren, Todesursache "altershalber". Evtl. die Ehefrau von Martin Zemela und evtl. auch meine Obermutter (Generation VII).
Gregorius und Martini Zymela/Zemela könnten Brüder gewesen sein. Falls sie Nachfahrin vom im Urbar genannten Zemelka aus Koschmieder waren, wäre dieser vermutlich ihr Großvater gewesen.

Sterbeeintrag Catharina Zymelino vom 13.09.1775 in Pluder

 

Geburt von Domenicus am 04.08.1766 in Koschmieder als uneheliches Kind, Mutter Catharina Zymelonkin.

Taufeintrag  von Domenicus am 04.08.1766 in Koschmieder als uneheliches Kind, Mutter Catharina Zymelonkin.

 

Geburt von Antonius am 25.05.1769 in Pluder als uneheliches Kind, Mutter Marianna Zymelonkin.

Taufeintrag Antonius am 25.05.1769 in Pluder als uneheliches Kind, Mutter Marianna Zymelonkin.

 

Geburt von Eva am 12.12.1782 in Koschmieder als uneheliches Kind, Mutter Marianna Zymelonkin.

Taufeintrag von Eva am 12.12.1782 in Koschmieder als uneheliches Kind, Mutter Marianna Zymelonkin.

 

Heirat am 16.11.1788 in Pluder von Marianna Zemela *ca. 1752 aus Koschmieder mit dem Witwer Paul Swierczok aus Pluder. Trauzeugen waren Simon Koza und Georg Psziuk.

Heiratseintrag am 16.11.1788 in Pluder von Marianna Zemela *ca. 1752 aus Koschmieder mit dem Witwer Paul Swierczok aus Pluder. Trauzeugen waren Simon Koza und Georg Psziuk aus Pluder.

Diese Marianna könnte eine Schwester meines Altgroßvaters (Ururururgroßvater) Paul und/oder eine Schwester von Bartholomeus Zymelka gewesen sein. Es wäre sogar möglich, dass sie eine Tochter von Paul aus erster Ehe war, falls er vor der Heirat mit Marianna Koza schon einmal verheiratet gewesen war. Sie lebte bei der Geburt von Antonius in Pluder und von Eva in Koschmieder, falls die beiden Marianna identisch waren. Mein Altgroßvater Paul lebte bis ca. 1773 in Pluder (Geburt von Matheus), danach in Koschmieder.

 

Heirat am 08.10.1769 von Andreas Zymelka (*ca. 1744 +30.01.1783 in Andreasthal) mit Agriete Sczendzinowkin (*ca. 1750). Vater des Andreas war Grzesk Zymelka.

Heiratseintrag vom 08.10.1769 in Koschmider vom Junggesellen  Andreas Zymelka (*ca. 1744 +30.01.1783 in Andreasthal) mit Agriete Sczendzinowkin (*ca. 1750). Vater des Andreas war Grzesk Zymelka.

Beide hatten 6 Kinder. Nach dem Tod von Andreas heiratete seine Frau am 01.11.1783 in Koschmieder Martin Mrowiec (*ca. 1757). Sie hatten 4 Kinder.

 

 

Zusammenfassung und noch ein wenig Spekulation

 

Der älteste gefundene Zemelka (Mitte 1600) stammte aus Koschmieder (gefunden im Urbarium des Schlosses Lublinecz von 1639-1640).

 

 

Gregorius Zemela wurde ca. 1694 und Martini Zemela ca. 1696 geboren. 1720 war Geburt von Nikolaus Semelka in Warmus, Parochie Lublinitz, die Eltern waren Adalbertus Semelka und Susanna Zajanka. Den Nikolaus Semelka habe ich später nicht mehr gefunden.

Im Oktober 1721 ist die Heirat von Adalbert Zemelka und Hedwiga Polockowna aus Warmus  verzeichnet. Trauzeuge war u. a. ein Gregorius Zemelka (der Gregorius aus Koschmieder?).

1722 wurden Maria, 1725 Magdalena und 1727 Thomas geboren, alle vermutlich in Warmus (Sol(l)arnia). Die Eltern hießen Adalbertus Zemelka und Hedwigis Polockowna. Adalbertus Semelka wird auch Ende des 17. Jahrhunderts geboren worden sein und könnte in Verbindung zu Gregorius und Martini Zymela/Zemela stehen.

1730 wurden Gertrudis, 1732 Hedwigis in Zborowsko (Borowsko) und 1735 Phiippus Jacobus Zemelka in Bogdalla geboren, Orte, die nördlich von Lublinitz liegen und zur Parochie Lubetzko gehörten. Die Eltern waren Pauli Zemelka und Marianna Drendzin(k)a. Pauli dürfte auch Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts geboren worden sein. War er der Vater meines Vorfahrens Paulus Zymelka und nicht Martini? In Zborowsko gab 31 meist kleine Bauern, 20 Gärtner, 6 Häusler und 341 Einwohner. Hierher gehörte auch eine Tabackspfeifenfabrik mit dazu gehörenden Häusern/Wohnungen der insgesamt 96 Arbeiter. Vielleicht wurde dieser Pauli ja auch im Bereich der Parochie Pawonkau geboren, ging aber später nach Zborowsko, um dort zu arbeiten. Dort heiratete er Marianna Drendzin(k)a. Sein Sohn Paul könnte später nach Pluder zurück gekehrt sein und Marianna Kozin geheiratet haben. Möglich wäre es, aber es sind Spekulationen, zumal ich keine Geburt eines Paul gefunden habe.

In den Sterbebüchern von Pawonkau von 1733 bis 1765 sind lediglich zwei Kinder und ein Erwachsener mit Namen Zymela/Zemela eingetragen, eigentlich zu wenig für eine größere Familie, zumal damals die Kindersterblichkeit recht hoch war. Nach 1766 gab es im Bereich Pawonkau drei Familien mit dem Namen Zymelka pp, meine Linie, die Linie von Andreas Zymelka/Agrete Szczendzionkin und die Linie von Bartek Zymela/ Agnes Strzoda. 

Wo und wie lebten meine früheren Vorfahren?
January 31, 2013 - 8:50:46 p.m.

 

Aufschluss geben die "Beyträge zur Beschreibung von Schlesiens" von F.A. Zimmermann, ein umfassendes Werk in 13 Bänden.

Auszug (Abschrift) aus dem Band 2 "Beschreibung des Falkenbergschen Kreises" aus dem Jahre 1783

Beschreibung

des Lublinezer Kreises

Vierter Abschnitt.

Vom Lublinezer Kreise überhaupt.

1.

Lage, Gränzen und Größe

 

Der Lublinitzer Kreis gehöret zum Fürstenthum Opplen, hat das Königreich Pohlen, die Standesherrschaft Pleß, den Toster-, Groß-Strehlitzer und Rosenberger Kreis zu seinen Gränzenachbarn und ist über 24 Quadratmeilen groß.

2.

Berge und Mineralien.

 

Im Kreise ist eine Kette von Hügeln, die Theils mitten durch denselben, theils an der pohlnischen Gränze sich ziehen, die Abendseite des Kreises ist meist eben. Die höchsten sind: Der Lubezka, der Wissoka bey Sidof und ein Berg bey Lubschau; es sind aber meist Sand- und Lehmberge.

Eisenerz findet sich an verschiedenen Orten, besonders Wiesenerz, allein es ist nicht von vorzüglicher Güte; Bergerz wird zu Boronow auf dem Hügel Kamionka viel gegraben.

Kalksteine werden bey Koschentin und Lubetzko gefunden.

Thon, der beste ist auf dem Lubetzker Berge, welcher zur Fanance-Fabrike zu Glinize, und der feine weisse Thon bey Zborowsky, der zu den Tabakspfeifen dient; gewöhnlichen Thon giebts auf vielen Dörfern.

Bey Olschin auf dem Vorwerksfelde findet man versteinertes Holz, wovon die obere Kruste nach und nach zerfält, aus dem kern aber Wezsteine gemacht werden.

3.

Aussere Beschaffenheit und Fruchtbarkeit des Bodens.

 

Der waldige Theil vom kreise ist sandig und zwar der mittägige noch mehr als der nördliche. Der mittlere Theil von Woschnik (Wozeiky) anzufangen, über Koschentin, Wierby, Sodow, Lublinez, Kochtziz, Lubezko, Pawonkau und Gros-Lagiewnik ist fester lehmiger Boden. Bey Gwosdzian ist Mittelboden, dagegen um Guttentag viel Sand.

Die Brache ist mehrentheils üblich, Olschine und Obersodow ausgenommen, wo das ganze Feld genutzt wird.

4.

Aeuserliche Natur-Produkte.

 

Etwas Weizen, mehr Roggen, Gerste, Haafer, Tartoffeln, Buchweizen, auch hin und wieder Schwaden, (pohlnisch Manna) (Milium Solis) welcher aber wild wächset, sind die gewöhnlichen Produkte des Kreises. Hopfen wird zu Boronow und Lubschau erzielet und an Heu jährlich 1000 Fuder gewonnen.

An Obstbäumen waren nach der letzten Zählung 5403 Stück vorhanden; diese Anzahl ist freylich gereing, und zeigt von noch nicht vielem Fleiß der Einwohner.

Maulbeerbäum sind wenig.

 

 

5.

Von den Wäldern und Wild.

 

Ohngeachtet schon viel Wald gerodet worden, so mag doch wohl 3/5 vom Flächen-Inhalt noch wald seyn, welcher aus Kiefern, Tannen, Fichten, etwas Birken und Erlen und wenig Eichen bestehet. Die Schlesische Klafter Holz kostet im Wald 6 Ggr.

Wildbret liefern Wälder mehr als der Bedarf der Einwohner erfordert, der Ueberfluß wird in die Städte verkauft.

Bäre finden sich nicht mehr. Im Jahre 1756 wurde zu Boronow einer erlegt, seit der Zeit hat sich keiner mehr sehen lassen.

Im Jahre 1776 wurde zu Dralin ein Elendsthier erschossen. Wölfe und Luchse sind selten, an Verminderun der ersten hat der herr Graf von Sobek durch seine guten Anstalten vielen Antheil. In den Wäldern sind 461 Bienenschwärme.

6.

Gewässer und Fische.

 

Die Malapane, welche bey Woschnik entspringt, sich in verschiedene Arme theilt, und bey Wüstenhammer sich vereinigt; die Warte nebst einer Menge Feldgraben sind die den kreis durchströmenden Flüsse, keiner aber ist schiffbar. Stehende Seen sind nicht, wohl aber giebt es ansehnliche Teiche, worunter der Posnik, der bey Bogdalle und Koschmieder die grösten sind. Es ist ein Ueberfluß an hechten und Karfen, so zum Theil nach Pohlen verkauft werden. Seit einiger Zeit aber hat man viele teiche zu Ackerland gemacht.

7.

Haus-Thiere.

 

Mehrerentheils sind Pferde und Kühe vom kleinen Schlage, doch trift man hin und wieder auch starkes Vieh an. Die Schaafe lieferten ehemals die gröbste Wolle, aber gegenwärtig suchen die Landwithe die Schaafzucht zu verbessern.

Im Kreise sind vorhanden: 1532 Pferde, 3271 Ochsen, 4281 Kühe, 2840 Jungvieh, 14060 Schaafe, 2445 Schweine, 5840 volle Bienenstöcke.

Der Kreis liefert viel Honig und Wachs. Schon vor mehr als 200 Jahren wurde auf die Bienenzucht gehalten, und zeigt doch von einigem Fleisse der Einwohner.

8.

Gebäude.

 

Im kreise sind: 2 Städte, 1 Marktflecken, 66  Dörfer, worunter 8 Kolonien; 89 Vorwerke, 10 Pfarrhäuser, 28 Schulen, 884 Bauern, 962 Gärtner, 340 Häusler, 59 Müller, 1 Glashütte, 1 Bleiche, 3 Therofen, 9 hohe Ofen.

Die adlichen Schlösser zu Lublinitz, Koschentin, Guttentag und Wiersbie, sind gute und hübsche Gebäude; die Wohnungen der gemeinen Leute sind von Schrotholz und die Kolonien von Bindwerk gebauet.

9.

Von den Einwohnern.

 

Die Religion der Einwohner ist gröstentheils katholisch, nur in den Städten, auf den Kolonien und unter den Einwohnern zu Zborowsky giebts einige evangelische Glaubensgenossen; zu Mollna und Ludewigsthal bey Lubschau, sind evangelische Kirchen und auch Einwohner. Die polnische Sprache ist durchgehends üblich, nur einige Fabrikanten, Kolonisten und wenige Bewohner der Städte sprechen deutsch. Die Einwohner waren bis zum siebenjährigen Kriege sehr vernachlässiget, faul und roh; nach dem Frieden aber wurden mehr Schulen errichtet, die deutsche Sprache fand hin und wieder Eingang und mit ihr Sitten und Fleiß der Deutschen.

Die Adlichen fingen an, ihre Güther besser als sonst zu nützen, und dadurch kam auch mehr Betriebsamkeit in den gemeinen Mann, welcher durch das Beyspiel der Herrschaften, Fabrikanten und Kolonisten zur Thätigkeit gereizt wurde.

Die Anzahl der Einwohner war ohne die zwei Städte im Jahr

1756 – 9263

1780 –      11801

1781 –      11861

1783 –      12066.

 

10.

Von den im Kreise befindlichen Fabricken.

 

Eine vorzügliche und die einzige in Schlesien ist ohne Zweifel die im Jahre 1753 angelegte und mit königlichen Privilegien begnadigte irdene Tabackspfeiffen-Fabricke.

Sie wurde anfänglich, wie es mit allen dergleichen Anlagen gehet, schlecht durch holländische Meister betrieben, die kostbar und faul waren; als man aber aus Landeskindern Lehrlinge erzog, und der Kammersecretär Goldener Antheil an diesem Etablissement nahm, welcher andere ökonomische Einrichtungen traf, so wurde das Werk besser eingerichtet und erhielt ihren gegenwärtigen Flor. Die Entrepreneurs kauften bey Zborowsky einen Flecken Land, bauten daselbst die nöthigen Frabrickenhäuser, Wohnungen für die Bedienten und Magazins. Dieser Fabricke ist ein Faktor und ein Conrtolleur vorgesetzt. Sie beschäftigen gegenwärtig 104 Menschen, worunter 4 Meister, einige Gesellen, Junggesellen, Jungen, ein Tischler, verschiedene Tongräber, Schlemmer und Drämler befindlich sind. Das Glätten der Pfeiffen geschiehet meist von Kindern, und diese werden Drämler genennt. Der Ton zu den Pfeiffen ist eine Viertelmeile von der Fabricke entfernt, er ist weiß, muß über ein Jahr nach der Ausgrabung unter freiem Himmel liegen, und gegen zwanzigmal auf eine besondere Weise geschlemmt werden, ehe er die Feine und Reinigkeit erhält, welche zu Pfeiffen erforderlich ist.

Es werden jährlich gegen eine Million Pfeiffen von fünferley Längen verfertigt, wozu 660 Kubic-Ellen Ton nöthig, für dessen Ausgraben und Anführen 6 ½ fgl. Pro Elle bezahlt wird. An Holz werden 600 Klaftern gebraucht, wovon die Klafter 12 sgl. gilt. Das Arbeitslohn für das Tausend der kürzesten, ½ Elle langen Pfeiffen ist 1 Rthlr. 20 sgl. der längsten von beynah 2 Ellen aber 10 Rthlr. Die Pfeiffen geben den holländischen nichts nach.

Die Societät hat eine Verpflegungs- und Wittwenkasse eingerichtet, jeder Mitarbeiter lässet etwas von seinem Lohn, so er die Woche verdienet, zurück, und genüsset aus dieser Kasse, wenn er krank, alt oder seine Frau Wittwe wird, Unterhalt. Jede Art der Arbeiter hat einen Vorsteher oder Eltesten, welcher einen Schlüssel zu dieser Hauptkasse hat. Sie hat gegenwärtig doch schon ein kapital von 1000 Rthl. eine Anstalt, welche dem, der sie Stiftete, Ehre macht.

Eine Fayance-Fabricke ist zu Glinize; ohngeachtet es schon ziemlich weit damit gebracht ist, so behält doch Proskau den Vorzug. Es arbeiten 10 Personen als Töpferbrenner und ein Mahler.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eisenwerke sind folgende:

Zu

Hoheöfen

Frischfeuer

Zahnhammer

 

 

 

 

Koschmieder

1

1

-

Peischerasow

-

1

-

Petershof bey Zborowsky

-

4

2 sind neu gebaut

An der Liswarte

1

2

Sind im Bau begriffen

Guttentag

1

-

-

Ellguth

-

1

-

Makowaziz

-

1

1

Swalkowe

-

1

-

Turze

-

1

-

Molna

1

2

-

Plasczoch

-

2

-

Bonker

1

-

-

Bzieniz

-

1

-

Wendzin

-

1

-

Kokotek

1

1

-

Gallonek

-

1

-

Posmik

-

2

-

Kutschau

1

1

-

Mokrus

-

1

-

Schierokauer

-

1

-

Figlarina

-

-

1

Tannina

1

1

-

Lissauer Hammer

-

1

-

Bruschak

1

1

-

Drotarnia

-

1

-

Wüstenhammer Pusta genannt

-

1

1

Boronow

-

1

-

Dolna Kuznica

-

1

-

Kia

-

1

-

Hadra

-

1

-

Chwostek oder Ryczwolkerhammer

1

-

1

Mochala

-

1

-

Gros-Rudenik

-

1

-

Mietek oder Merkauer Hammer

-

1

-

Summa

10

38

4

 

Die Hohen Ofen gehen theils wegen Mangel des Wassers, theils weil die Werke nicht alle mit tüchtigen Männern besetzt sind, durch das Jahr 30 manche wohl 40 Wochen, und liefern jährlich 50 bis 55000 Centner geschmolzen Eisen, welches von den Frischfeuern und Zähnhammern verarbeitet und daraus 36 bis 38 Centner Stab- und Zähneisen verfertigt wird.

Eine Glashütte zu Dambowa Gura.

Vier Potaschsiedereyen zu Czissowa, bey Lublinez, Pawonka, Skrzidlowiz.

Eine Garnbleiche zu Sodow.

 

 

 

 

11.

Aeußerliche Verfassung

 

Der Kreis gehöret in Justizsachen zur Oberschlesischen Oberamtsregierung, in katholischen Kirchensachen gehöret ein Theil zum Krakauschen, ein anderer Theil zum Breslauschen Bisthum.

In Ansehung des Kameralis aber zur Breslauschen Krieges- und Domainenkammer, welche durch den Steuerrath des siebenden Departement bey den Staädten, und durch den Landrath bey den Dörfern den Kreis dirigieren lässt.

Dem Kreis ist überhaupt vorgesetzt: Ein Landrath, Herr Johann Alexander von Stosch; Marschkommissarius, Herr Johann Adam von Larisch. Zwey Deputirte, die Herren George Wilhelm von Paczinsky und von Ziegler; ein Kreisphysikus, Herr D. Jacob Aaron Hermsen; ein Steuereinnehmer, Herr Johann Karl Praß.

In Ansehung der Landschaft gehöret Lublinez zum Oberschlesischen System, dessen Sitz und Kasse in Cosel ist.

Bey der Steuerverfassung ist der Kreis zur letzten und niedrigsten Klasse gerechnet, wo die beste Kuh mit 1 Rthlr. 24 sgl. angeschlagen ist;

(Die Schlesischen Steuersätze sind überhaupt sehr billig. Denn gegenwärtig wird eine Kuh im Lublinitzer Kreise auf 4 Rthlr. auch drüber genutzet.)

Fünfter Abschnitt

Von der Regenten-Geschichte der Herschaft Lublinez.

Die Herrschhaft Lublinez war eine Domäne der Herzoge. Herzog Albert zu Gros-Strelitz machte den Anfang, diese Domäne zu zerstückeln. Ruschkowitz und Wiersbie waren die ersten, die an Jeskozurka 1350 versetzt, aber nach dessen Tode wieder eingelöst wurden. Im Jahre 1360 verkaufte Herzog Tamthyn von Bowzegnow für 100 Mark Prager Groschen, pohlnischer Währung, und gab ihm die ganze Criminalgerechtigkeit. 1374 besaß diese Güther Agerbozh Droniowitz; er erbaute Klein-Droniowitz und verkaufte in diesem Jahre an Kenzko Czambor die zwey Hauptgüter.

Das neie Dorf kam an Antil von Logau, der es 1405 an Janken von Kottelin für 70 Mark und 100 Pragerische Groschen verkaufte. Im Jahr 1510 verkaufte Johann Pruskowsky die sämmtlichen Güter an Johann von Kunowitz, der sie 1511 dem Heinrich von Wirbsky für 300 Ungarische Gulden überließ (gegenwärtig würden die Güter schwerlich unter 160000Rthlr. verlassen werden). Die Familie von Wirbsky besaß die Güter bis zu Ende des 16ten Jahrhunderts, da die letzte Erbin den Freyherrn Ludwig von Geczalkowsky heyratete; von diesem kamen sie 1729 an Peter von Garnier, dessen jüngster Sohn Ignaz von Garnier sie im Jahre 1757, nachdem er einen Antheil Sodow zugekaufte, dem Grafen von Schlegenberg überließ. Im Jahre 1780 kaufte sie Herr Franz von Grottowsky und im Jahre 1781 wurden von ihm noch das andrre Antheil von Sodow, auch das Schloß Wessola dazu gekauft. Die übrigen Güter blieben Domänen der Herzöge bis nach Absterben des Herzogs Hanns zu Oppeln der Kayser Ferdinand solche 1532 erhielt, der sie aber den 16, Juni 1562 an den Kanzler Niklaus Lissota von Steblau gegen Bezahlung von 8000 Thaler Schlesisch verpfändete. Es gehörten dazu die Dörfer Lubezko, Glinize, Koschentin, Baruniow, Steblau, Lissowitz, Droniowiz, Wessola, Kochanowiz, Herbortowiz, Trzebine und die Stadt Lublinez, nebst den Eisenhämmern und Bretmühlen. In der Verpfändungs-Urkunde wirde diese Domaine der Lublinezer Halt genannt.

Im Jahre 1568 übernahme für 10000 Thaler ein ausländischer adliger von Sparwein diese Herrschft Pfandsweise; allein er drückte die Unterthanen, besonders die Bürger zu Lublinez, welche sich an den Hof wandten und in ihrer Bittschrift anführten, dass er ihnen statt eines ordentlichen Geistlichen einen Mönch gegeben, der ein unordentlich Leben führte, dass er diese Hofpitalgelder an sich zöge, und sie Bürger misshandelte. Der Kayser nahm dem Hanns von Kochtiz, der sie endlich 1587 für 30000 Thaler erkaufte, welche Summe aber der von Kochtiz größtentheils schon zur Unterhaltung der Gränzkommissarien dem kayserlichen Hofe vorgeschossen hatte. 1)

(1)

Aus dem Kaufanschlag will ich, weil es beynah um die Zeit trift, von welcher ich die im Briegschen Fürstenthum üblich gewesenen Schätzungs-Grundsätze der adlichen Güter angezeigt, von dieser Gegend folgendes mittheilen:

30 Schfl. Breslauer Maas Aussaat war mit 100 Thalern, 1 Fuder Heu von 4 Pferden mit 24 sgl. eine Tonne Honig mit 8 Thalern, ein Centner Stabeisen mit 36 sgl. ein Huhn für 10 Denar Nutzung angeschlagen. Das Holz aber für gar nichts gerechnet.

Die Feyherrn von Kochtiz hielten es im dreyßigjährigen Kriege mit dem Könige von Böhmen; der damalige Besitzer der Lublinezer Güter that es auch, er wurde des Hochverraths beschuldigt und verlor 1630 die Herrschaft Lublinez. Der Kayser zog sie ein, verkaufte sie 1645 zum Theil an den Grafen von Cellari; sie blieb in den Händen dieser Familie bis 1727, wo der Besitzer durch verschiedene Umstände genöthigt wurde sie zu verkaufen; er überließ solche 1729 dem Peter von Garnier. 1751 bekam sein ältester Sohn Andreas Agrnier die Herrschaft. Der sie 1763 seiner Schwester, der verehelichten Gräfin von Gaschin überließ. Letztere verkaufte sie an den von Ziemezky; 1777 kam sie an die Frau Gräfin von Dyhrn, dann an den Herrn Grafen von Schlabrendorf; 1779 an den Herrn von Stürmer und 1781 an den gegenwärtigen Besitzer, Herrn Dyonisius von Jeanneret.

Der zweyte Theil der Herrschaft, wozu Koschentin gehörte, wurde an den Freyherrn von Rauthen verkauft; 1646 aber erbten die Grafen von Sobek diese Güther, und noch gegenwärtig sind sie nebst vielen anderen in den Händen dieser Familie.

Sechster Abschnitt.

Von den Städten.

 

A.    Von Lublinez

 

 

1.

Geschichte

 

Herzog Vladislaus soll vermöge der in den Kirchenbüchern aufgeführten Vermerken 1272 in dem Walde eine kleine Kapelle erbauet haben, um sich nach vollendeter Jagd derselben zum Gottesdienst zu bedienen; er gab dazu soviel, dass ein Präposirus und vier Vikarien leben konnten. Sein Sohn bauete die Stadt und gab ihr ein Privilegium, dass die Stadt das Meilenrecht auf das Bierbrauen haben sollte. 1396 nahm der König von Pohlen dem herzog Vladislaus Lublinez weg. Herzog Hanns gab 1500 der Stadt ein Privilegium folgenden Inhalts:

1.    Daß kein Dortkretschmer anders als Stadtbier trinken,

2.    Das Donnerstag Wochenmarkt und alle Jahr zwey Jahr- und Viehmärkte gehalten werden sollten.

3.    Soll die Stadt das Dorf Streblau besitzen.

4.    Sollen die Bürger jährlich eine Fuhre nach Preussen oder Mähren bey ihrer eigenen Zehrung für die Herzoge thun.

5.    Auch soll die Stadt allerley Handwerker setzen.

 

Die Weber erhielten 1502 vom Herzog Johann, die Schmide 1585 von Johann von Kochlitz, die Tuchmacher 1587, die Fleischer 1608, die Kirschner 1612, die Schuster vom König Johann Kasimir in Pohlen 1668, die Schneider vom Grafen Cellari 1648, die Bäcker 1653 ihre Zunftsprivilegien.

Die Kirche wurde bald nach der Reformation zum evangelischen Gottesdienst eingerichtet, da die Pauliner Mönche solche verlassen; sie kamen wieder und wollten ein neues Kloster bauen, allein der Rath verhinderte sie daran.

Die Pest entstand 1607 und rafte 735 Menschen auf. Die Kirche verlohren die Lutheraner 1630 wieder.

Der Graf Cellari ließ 1648 die Annakapelle von Grund auf erbauen, und wolte eine Fundation auf sechs Franciskanermönche machen, allein der Kayser bestätigte die Stiftung nicht, und die Mönche musten fort. Als Graf Cellari seine heiligen Gesinnungen dadurch nicht an den Tag legen konnte, ließ er die Pfarrkirche verbessern, eine Kapelle und eine Gruft bauen. Die Stadt brannte 16?0 bis auf 3 Häuser ab. Den 27. Julii 1777 that ein ungewöhlich starker anhaltender Sturm der Stadt einen großen Schaden, der einige tausend Thaler betrug; Schornsteine fielen ein, Dächer wurden abgedeckt und eine Menge Bäume in Gärten und Wäldern ausgehoben.

2.

Gegenwärtige Verfassung

 

 

Die Stadt liegt 9 Meilen von Oppeln, 20 Meilen von Breslau, 2 Meilen von der polnischen Gränze; sie ist eine Madiat- aber doch eine Kreisstadt, ist gegenwärtig das Eigenthum des Herrn von Jeannerer, und gehöret zum siebenden Steuerräthlichen Departement. Zur Garnison liegt eine Schwadron vom Husarenregiment von Rosenbusch.

In Lublinez sind folgende Gebäude:

Das herrschaftliche Schloß, so aber eigentlich zu den Dörfern gehöret.

Eine katholische Pfarrkirche, an der Erzpriester Herr Joseph Potempa stehet, und wozu die Dörfer Klein-Droniowitz, Jowornitz, Kokotek, Posmik, Solarnio, Steblau und Wessola eingepfarrt sind.

Ein Hospital, worinnen einige Armen verpflegt werden. Die Einkünfte desselben sind jährlich etwa 60 Rthlr.

Ein Rathhaus.

Ein Lazareth.

142 Bürgerhäuser, wovon nur einige gemauert sind. Die Kämmerey hat etwas über 1000 Rthlr. jährliche Einküfte.

3.

Von den Einwohnern

 

 

Die polnische Sprache ist bey den Bewohnern üblich, doch wird auch von vielen Deutsch geredet.

Die Religion ist katholisch; und ihre Zahl war:

 

 

Christen

Juden

1756

676

-

1780

696

20

1781

744

23

1782

757

46

 

Liste

 

der Getrauten

Geborenen

Gestorbenen

Jahr

Paar

Knab.

Mädg.

Männl.

Weibl.

 

 

 

 

 

 

1773

16

32

27

34

33

1774

17

29

25

14

20

1775

10

41

32

15

16

1776

10

34

34

39

35

1777

16

43

32

31

32

1778

16

45

35

31

25

1779

18

29

26

14

14

1780

15

41

48

31

30

1781

16

42

34

22

22

1782

7

34

34

23

30

Summa 10 Jahr

141

370

327

254

257

Auf 1 Jahr

14 Ehen

70 Kinder

51 Todte

 

 

Auf eine Ehe also 5 Kinder, und wenn man die Eingepfarrten mitrechnet, auf 26 Lebende einen Todten.

Die Nahrung der Einwohner bestehet:

a)    Im Ackerbau

b)    Im Bierbrauen, se auf 124 Häuser haftet; jährlich werden etwan 180 Scheffel Malz verbraucht.

c)    Im Handel, welcher von einigen Krämern und Juden getrieben wird; jährlich sind 5 Jahrmärkte.

d)    In allerhand Künsten und Handwerken, als 4 Bäcker, so 60 Schfl. Weizen, 1910 Schfl. Roggen, 480 Schfl. Gerste brauch; 1 Balbier, 5 Büttnern, 4 Fleischern, die jährlich schlachten 58 Ochsen, 200 Schweine, 170 Kälber, 175 Schöpfe; 1 Huthmacher, 5 Kirschnern, 2 Müllern, 3 Pfefferküchlern, 1 Stellmacher, 1 Rothgärber, 1 Sattler, 1 Schlosser, 5 Schmieden, 12 Schneidern, 14 Schustern, 3 Seilern, 1 Stricker, 4 Töpfern, 14 Webern, 1 Ziegelstreicher, 1 Zimmermann.

 

Der Magistrat bestehet gegenwärtig aus einem Bürgermeister, Herr Krannich, 2 Rathleuten, Herrn Balthasar Rukop, Herr Valentin Grünzweig; einem Notario, Herrn Christian Gottlieb Springer; und einem Kämmerer, Herrn Franz Pierkoß.

Die königlichen Bediensteten sind:

Das Kreisamt: Herr Friedrich Hallerworden, Einnehmer; und Herr Johann Friedrich Peterson, Kontrolleur.

Das Juden-Toleranzamt versieht Herr Springer

Salzamt: Herr Steuereinnehmer Praß

Steueramt: Siehe Kreis.

 

B.    Guttentag

 

Das älteste Dokument von dieser Stadt hat Böhme in seinen diplomatischen Beyträgen dritten Theils S. 23. vom Jahr 1304 angeführt, in welcher die Stadt Dobrozien heißt, und Schilfuß nennt sie Dodrodin; sie liegt 4 Meilen von Oppeln und 2 ½ Meile von Lublinez entfernt. Sie war noch zu Anfang dieses Jahrhunderts als Eigenthum des Edlen in Carozki und gehöret gegenwärtig dem herrn Rittmeister von Stürmer, ist accisbar und hat folgende Gebäude:

Eine katholische Kirche und Schule, en denen ein pfarrer, Herr George Galbierz; und ein rektor, Carl Gernroth, arbeiten; und 1230 Bürgerhäuser, wovon die wenigsten gemauert sind.

Die Anzahl der Einwohner war:

Jahr

Christen

Juden

 

 

 

1756

661

-

1781

887

60

1782

883

125

 

 

Die Nahrung der Bürger bestehet vorzüglich im Ackerbau, im Handel mit Eisen, und ein großer Theil der beackerten Bürger sind Fuhrleute, welche bis Krakau und Breslau fahren. Jahrmärkte werden jährlich zwey, einer an Maria Heimsuchung, der andere an Ursula gehalten. Handwerker und Künstler sind gegenwärtig: 5 Bäcker, so 1120 Scheffel Getreyde verbacken; 1 Büttner, 4 Fleischer, so 92 Ochsen, 260 Schweine, 100 Kälber und 140 Schöpfe schlachten; 2 Pfefferküchler, 2 Radmacher, ein Schlosser, 7 Schmiede, 8 Schneider, 10 Schuster, 1 Seifensieder, 1 Seiler, 2 Tischer, 3 Töpfer, 1 Tuchmacher, 1 Zimmermann.

Zur Garnison liegt in der Stadt eine Schwadron vom Regiment von Rosenbusch Husaren.

Der magistrat bestehet aus einem Bürgermeister, Prokonsul, Notario, Kämmerer und Rathmann. Er versiehet die Policey, übet die Gerichtsbarkeit aus, und verwaltet Kämmerey-, Servis- und Armenkassen.

Die königlichen Aemter: Es ist nur ein Accisamt daselbst. Die Posten, welche in Guttentag ankommen und abgehen, sind Fußposten, und zwar Montag und Donnerstag die Post von und nach Oppeln, Mittwoch und Sonnabend aber die von Rosenberg und Lublinez.

Siebenter Abschnitt

Von den Dörfern

  

Alt Vorwerk, siehe Gr. Lagiewnik

    Andreasthal, ein Vorwerk bey Lissowitz,

1. Babieniz, fasset ein herrschaftliches Vorwerk, eine Schule, einen großen, 18 kleine Bauern, 19 Gärtner, 2 Häusler und 152 Einwohnern. Ist  Meile von Lublinez entfernt und gehöret dem Herrn Grafen Pückler.

2. Bogdala, hat ein herrschaftliches Vorwek und 6 Gärtner, die Zahl der Einwohner ist 38. Es gehöret dieses Dörfchen dem Herrn von Jeanneret.

Bonke, ist der Name eines hohen Ofens, welcher dem Herrn von Larisch gehöret.

3. Boronow, Niederhof, Grojez und Czielez, ist eigentlich ein Dorf, gehöret dem herrn Grafen von Sobek, liegt von Lublinez 2 Meilen und bestehet aus 4 Vorwerken, einer katholischen Kirche, einem Pfarr- und Schulhause, 28 Bauern, 3 Mühlen, 50 Gärtnern, 42 Häuslern und 760 Einwohnern. Bey diesem Dorfe ist ein Frischfeuer.

4. Bruschieker-Hammer, Bruschek auch Leboz, gehöret dem Herrn Graf von Sobek. Im Dorfe sind 1 Vorwerk, 3 Gärtner, 20 Häusler, eine Mühle, ein hoher Ofen, ein Frischfeuer und 132 Einwohner.

5. Bzeniz, gehöret dem Herrn von Poser, hat zwey Vorwerke, 1 Schule, 11 Bauern, 13 Gärtner, 5 Häusler, 1 Mühle, 2 Frischfeuer und 171 Einwohner.

6. Camieniz, hatte ehemals 3 Antheile; jetzt gehöret das ganze Dorf dem Herrn Grafen von Pükler, und bestehet aus einem herrschaftlichen Vorwerk, einer Schule, 29 bauern, 28 Gärtnern, 2 Mühlen, 9 Häuslern und 222 Einwohnern.

Chwostek, siehe Rzyeziwolka.

7. Charlottenthal, eine im Jahre 1755 angelegte Kolonie von 11 Häuslern, ½ Miele vom Dorfe Jezowa entfernt, gehört dem Herrn Grafen von Sobek, und ist von 30 Menschen bewohnt.

8. Cziasko, gehört dem Herrn von Stürmer, hat ein herrschaftliches Vorwerk, 9 Bauern, 8 Gärtner, 6 Häusler und 10 Einwohner.

9. Czieschowa, hat zwey Antheile, welche beyde dem hern Grafen von Sobek gehören. Im Dorfe sind 2 herrschaftliche Vorwerke, eine katholische Filialkirche, eine Schule, 9 kleine Bauern, 23 Gärtner, eine Mühle, eine Judenschule und Begräbnis. Die Zahl der Einwohner ist 216.

Dolna Ruschniza, ist der Name eines im Walde gelegenen Frischfeuers, dem Herrn Grafen von Sobek gehörig.

10.Drathhammer, ein Dorf von 22 Besitzungen, so aus Gärtnern und Häusler bestehen. Es gehört dem Herrn Grafen von Sobek und hat 139 Einwohner.

11.Dralin, dem Herrn Jeanneret zuständig. Hierzu gehört ein Herrschaftliches Vorwerk, 4 kleine Bauern, 18 Gärtner und Häusler, eine Windmühle und 90 Menschen.

12.Droniowiz, Groß- und Hadra, ist ein Dorf, darinn findet sich ein herrschaftliches Vorwerk, eine Schule, 16 Bauern, 25 Gärtner, 7 Häusler und 277 Einwohner. Es gehört dem Herrn Graf von Sobek.

13.Droniowiz, Klein-Wessola, Solarnia, letzteres wird auch Warmusche genannt. Ist ein Dorf unter verschiedenen Abtheilungen, gehöret dem Herrn von Grottowsky, und fasset ein herrschaftliches Schloß, so eigentlich Wessola heißt, ein Vorwerk, 17 kleine Bauern, 21 Gärtner und Häusler. Die Zhal der Einwohner ist 199.

14.Dembowa, Gura, eine im Jahre 1774 eine Viertelmeile von Boronow an der Strasse nach Czenstochau, angelegte Kolonie von 20 Stellen, die mit Handarbeitern und Holzschlägern bewohnt sind.

Drotarnia, ein Frischfeuer im Walde, dem herrn Grafen von Sobek gehörig.

15.Dzielna, gehöret dem Herrn von Poser, hat 1 herrschaftliches Vorwerk, 5 Bauern, 7 Gärtner und Häusler. Die Zahl der Einwohner ist 107.

16.Ellguth bey Woschnik, pohlnisch Ligota, hat 1 Vorwerk, 5 größere, 26 kleine Bauern, 20 Gärtner und Häusler, 228 Einwohner. Es gehöret dem Herrn Grafen von Gaschin.

17.Ellguth bey Guttentag, pohlnisch Ligota, fasset 164 Einwohner; an Gebäuden aber 1 Vorwerk, 21 Bauern, 7 Gärtner, eine Mühle und ein Frischfeuer; gehöret dem Herrn von Stürmer.

18.Erdmannshayn, eine neue Kolonie, so mit 28 Menschen bewohnt ist. Die Besitzer der Stellen sind meist Handwerker, und gehört dem Herrn Grafen von Pükler.

Figlarnia, der Name eines dem Hern Grafen von Pükler gehörigen Zahnhammers.

19.Flüder, wird auch Pludry genannt, hat 6 Bauern, 10 Gärtner und 69 Einwohner. Gehöret dem Herrn Jeanneret.

20.Glinize, gehöret dem Herrn von Jeannert. Im Dorfe sind 2 herrschaftliche Vorwerke, wovon eines Gaschinka heisset; 12 kleine Bauern, 10 Gärtner, 3 Häusler und 141 Einwohner. In diesem Dorfe ist die Fayance.Fabrike.

Gallonek, ein zu Lublinez gehöriges Frischfeuer.

21.Glowz, auch Glowschüz, ist das Eigenthum des Herrn von Stürmer, und hat 2 herrschaftliche Vorwerke, eine Schule, 12 Bauern, 12 Gärtner und 151 Einwohner.

22.Goslawiz, hat ein herrschaftliches Vorwerk, 16 Bauern, 9 Gärtner, eine Mühle und 13 Einwohner. Es gehöret dem Hern von Stürmer.

Das Schloß Guttentag gehöret nebst einem Hause, dem hohen Ofen, einer Mühle und seinen 55 Einwohnern zwar zum Kreise, ist aber doch kein besonderes Dorf, da es bey der Stadt liegt, und das Eigenthum des Herrn von Stürmer.

23.Gwosczyan, hat ein herrschaftliches Vorwerk, 16 Bauern, 9 Gärtner, eine Mühle und 161 Einwohner. Gehört dem Herrn von Poser.

24.Neu-Hadra, eine neuangelegte Kolonie, eine halbe Meile von Boronow entfernt; bestehet aus 10 Stellen, einem Frischfeuer und 37 Menschen, so Zimmerlute und Kohlenbrenner sind.

25.Harbulowiz, gehöret dem Herrn Grafen von Sobek, fasset ein herrschaftliches Vorwerk, 4 Bauern, 17 Gärtner, 2 Mühlen und 161 Einwohner.

26.Jarworniz, fasset ein herschaftliches Vorwerk, 7 kleine Bauern, 8 Gärtner, eine Mühle und 68 Einwohner. Es gehört dem Herrn von Jeanneret.

27.Jezowa und Gorosdzie, ist ein Dorf, so dem Herrn von Stürmer gehört. Hat ein Vorwerk, eine Schule, 13 Bauern, 29 Gärtner und 183 Einwohner.

28.Kalina, in diesem Dorfe sind 15 Bauern, 10 Gärtner, eine Mühle und 148 Menschen.

Kia, der Name eines Frischfeuers, welcher dem Herrrn Grafen von Sobek gehört.

Kutschau, ein hoher Ofen und ein Frischfeuer, welches Werk dem Herrn Grafen von Pükler gehöret.

Kokotek, siehe Ruschinowiz.

29.Koschentin, ist das Eigentum des Herrn Grafen von Sobek. Zu diesem Dorfe gehöret ein herrschaftliches Schloß, eine katholische Kirche und Schule, 3 Vorwerke, wovon eines Neuhof heißt, und das eine halbe Meile vom Hauptdorfe im Walde gelegene Dörfchen Pielka mitgerechnet, 34 Bauern, 40 Gärtner, 26 Häusler und einige   Mühlen. Einwohner sind 610.

30.Kochanowitz, gehöret dem Herrn Grafen von Sobek. Zu diesem Dorfe wird gerechnet der Tanniner hohe Ofen und das dasige Frischfeuer, zwey herrschaftliche Vorwerke, wovon eines Ostrow heisset, eine Schule, 26 Bauern, 20 Gärtner, eine Wassermühle, 4 Häusler und 167 Einwohner.

31.Koschmieder, gehöret dem Herrn von Jeanneret, und bestehet aus einem herrschaftlichen Vorwerk, einer Schule, 12 meist kleinen Bauern, 14 Gärtnern, 8 Häuslern, einem hohen Ofen und einem Frischfeuer. Die zahl der Einwohner ist 211

32.Lissagura, eine neue Kolonie, eine Viertelmeile von Boronow auf dem Grunde des Dorfes angelegt, hat 10 Stellen und 40 Einwohner so meist Handwerker sind.

Lissauer Hammer, auch Lissau, pohlnisch Lissowska Kuschnia, gehöret dem herrn      Grafen von Sobek, und bestehet aus einer katholischen Kirche, 1 Pfarrhause, zwey herrschaftlichen Vorwerkern, wovon eines das Sandvorwerk genannt wird, 17 kleine Bauern, 20 Gärtnern, einer Wassermühle, einem Frischfeuer und 20 Einwohnern.

33.Lagiewnik, Klein, hat 17 bauern, 6 Gärtner, eine Häuslerstelle und 116 Einwohner.

34.Lagiewnik, Groß, ist von Klein Lagiewnik über ¾ Meilen entfernt, hat zwar zwey Antheile, beyde aber gehören einem Herrn. Das Dorf hat eine katholische Kirche, 4 herrschaftliche Vorwerke, von welchen drey besondere Namen haben, als Alt-, Neu- und Pietruchowsky; eine Schule; 16 Bauern, 15 Gärtner, 4 Häusler, eine Mühle.

37.Liebsdorf, eine auf Lissauer Grunde eine halbe Meile vom Stammdorfe an der pohlnischen Gränze angelegt Kolonie von 10 Stellen, die mit 43 Menschen bewohnt sind.

38.Lissowitz, Zawade und Naplatik, machen ein Dorf aus, gehören einem Grundherrn. Fassen 2 herrschaftliche Vorwerke, wovon eines Andreasthal heißt, eine Schule, 26 kleine Bauern, 16 Gärtner und 178 Einwohner.

39.Lohne, gehöret dem Herrn Anton Graf von Gaschin, und hat ein herrschaftliches Vorwerk, 37 Bauern, 12 Gärtner, eine Mühle, 11 Häusler und 184 Einwohner.

40.Lubezko, fasset eine katholische Kirche, ein Pfarr- ein Schulhaus, 31 Bauern, 7 Gärtner, 3 Häusler und 183 Einwohner. Gehöret dem Herrn von Jeanneret. Das Schloß Lublinez macht kein Dorf aus, wird aber zum platten Lande gerechnet; hat ein herrschaftliches Vorwerk, 3 Häusler, 3 Mühlen und 67 Einwohner.

41.Lubschau, Kurz, und Ludewigsthal, ist ein Dorf, und bestehet aus 2 herrschaftlichen Vorwerken, einer katholischen Kirche und einer evangelischen Kirche, zweyen Schulen, 47 Bauern, 24 Gärtnern, 21 Häuslern und 382 Einwohnern. Es gehört dem Herrn Grafen Pükler.

42.Markowziz, hat ein herrschaftliches Vorwerk, ein Frischfeuer, 8 Gärtner, 42 Einwohner, und gehört dem Herrn von Stürmer.

43.Molna, gehöret ebenfals dem Herrn von Stürmer und hat zwey herrschaftliche Vorwerke, wovon eines Neuhof heißt; eine evangelische Kirche und Schule, einen hohen Ofen, 4 Frischfeuer, wovon 2 Plusczoch genannt werden, 17 Bauern, eine Wassermühle, 10 Gärtner, 9 Häusler und 249 Einwohner.

Mokrus, ist der Name eines Frischfeuers im Walde zu Psar gehörig.

Merkauer Hammer ist der Name eines Frischfeuers.

44.Mywa, eine Kolonie von 10 Stellen, eine Viertelmeile von Kamniez an der pohlischen Gränze. Die Zahl der Einwohner ist 40, gehöret dem Herrn Grafen von Sobek.

Neuvorwerk, ist ein einzelnes herrschaftliches Vorwerk.

45.Ollschin, Betschikow *) heißt auf der Charte Pietsuchi und Kiersky sind zwar drey besonders liegende Oerter, gehören aber zusammen und machen ein Dorf aus. Alle drey bestehen aus einem Vorwerk, 27 kleinen Bauern, 9 Gärtnern, einer Mühle und 140 Einwohnern. Gehöret dem Herrn Grafen von Sobek.

46.Pawonkau, hat 2 Antheile, wovon eines dem Herrn von Ziegler gehört; hat drey Vorwerke, von denen zwey besondere Namen haben, als Reisewiz und Pomiansniw; eine katholische Kirche und Schule, 10 Bauern, 30 Gärtner, 4 Häusler und 281 Einwohner. Das zweyte heißt Spiegelsche Antheil, und gehöret dem Herrn Landrath von Stosch, hat nur ein Vorwerk und 3 Gärtner.

Peitscherasow, der Name eines Frischfeuers.

47.Petershof, eine im Jahre 1752 angelegte Kolonie, eine halbe Meile von Fluder gelegen, hat ein herrschaftliches Vorwerk, 4 Frischfeuer, 2 Gärtner, 11 Häusler. Die 70 inwohner sind meist Schmiede und Köhler, gehört dem Herrn von Jeannert.

Poremba, siehe Skrzidlowiz.

48.Punoschau, gehöret dem Herrn von Koschütky, hat zwey herrschaftliche Vorwerke, ein Frischfeuer, 18 Gärtner, 10 Häusler und 275 Einwohner.

49.Psurr, gehöret dem Herrn Gafen von Pükler, hat zwey herrschaftliche Vorwerke, 14 Bauern, 22 Gärtner und 165 Einwohner.

50.Ruschinowiz, gehöret dem Herrn von Grottowsky. Zum Dorf werden gerechnet zwey herrschaftliche Vorwerker, eine Schule, ein hoher Ofen, so Kokohk (Kokotek) zwey Frischfeuer, so Poschmik heissen, 14 Bauern, eine Mühle, 10 Gärtner, 23 Häusler und 208 Einwohner.

51.Rzycziwolka, wird auch Chwosteck genannt, gehöret dem Herrn Grafen von Sobek, und bestehet aus einem herrschaftlichen Vorwerk, einem hohen Ofen und Zahnhammer, 12 Gärtnern, 4 Häuslern und 79 Einwohnern.

53.Schwokau, hat ein herrschaftliches Vorwerk, ein Frischfeuer, eine katholische Kirche, eine Schule, 28 Gärtner, 2 Häusler und 128 Einwohner. Gehöret der Frau Baronin von Chambres.

54.Schamrowiz, Schemrow, gehöret dem Herrn von Stürmer, hat zwey herrschaftliche Vorwerke, 36 Bauern, 8 Gärtner und 233 Einwohner. In diesem Dorfe ist auch eine katholische Kirche und Schule.

55.Skrzidlowitz, gehöret dem Herrn von Poser, hat nebst dem nicht weit davon gelegenen kleinen Dörfchen Poremba, 2 herrschaftliche Vorwerke, 12 Bauern, eine Mühle, 19 Gärtner, 3 Häusler, 188 Einwohner.

56.Sodow, hat 2 Antheile.

a) Eines gehöret dem Herrn von Grottowsky, hat eine katholische Kirche, ein herrschaftlich Vorwerk, eine Schule, 8 Bauern, 9 Gärtner, 3 Häusler, 97 Einwohner.

b) Zweytes Antheil, gehöret demselben, fasset ein Vorwerk, 9 Bauern, 10 Gärtner, 3 Häusler und 131 Einwohner.

57.Steblau, ein klein Dorf, gehöret dem Herrn von Jeanneret. Hat ein herrschaftliches Vorwerk, 5 Bauern, ein Angerhaus und 35 Einwohner.

58.Strzebin, ist das Eigenthum des Herrn Grafen von Sobek, und hat drey herrschaftliche Vorwerke, wovon 2 besonders vom Dorfe entfernt liegen, und Lipowiez, Brande, letzteres heißt auch Prondy, genannt werden; eine Schule, 24 Bauern, 31 Gärtner, 4 Häusler und 312 Einwohner.

59.Marktflecken Woischnik, gehöret dem Herrn Grafen von Gaschin, und hat ein herrschaftliches Schloßvorwerk, eine katholische Kirche, 2 Schulen, 23 größere, 86 kleinere Bauern, eine Wassermühle, 11 Gärtner und 527 Einwohner.

60.Wüstenhammer, Lisniza, dem Herrn Karl Heinrich Graf von Sobek gehörig. Hat ein herrschaftliches Vorwerk, ein

Auswertung von Kirchenbüchern
January 24, 2013 - 2:51:31 p.m.

 

In den Kirchenbüchern von Pawonkau wurden die Namen der ältesten Zemellavorfahren Paul und Matheus noch Zemełka und Zymełka, später dann Zemeła, Zemela und schließlich Zemella geschrieben. Die Schreibweise mit "ll" ist die deutsche Schreibweise des Namens, da in der polnischen Sprache Doppelbuchstaben eigentlich nicht vorkommen.

Den ältesten Nachweis dieses Namens im Bereich der späteren Parochie Pawonkau habe ich in dem Urbar des Schlosses Lublinitz von 1639 bis 1640 gefunden. Hier steht unter dem Dorf Koschmieder (auch Kosmider und Koschmider):

Karwin, Kenschikh, Koschitarz, Kurczigk, Zemelka, Ciesslia, Zientekh, Martinek, Nowak, Ssczendrzin, Fukalla, Karkecz, alter Stendzin. Martin Koschitacz hat eine wiese oberhalb teich Koschmieder auf wohlgefallen zinsen Michaeli 2 tl. 18 gr. Diese obgemelte gertner geben kein zins, seindt aber schuldig, was ihnen anbefohlen wirdt, zu hofe bey der kost zu arbeiten und ein jeder zu ½ zu spinnen oder 4 gr. 6 hl. zu geben.

Es handelt sich um eine maschinengeschriebene Abschrift, wobei der Buchstabe "l" bei Zemelka nicht durchgestrichen ist, es ist aber zu vermuten, dass dieser Buchstabe in der Originalfassung "ł" geschrieben wurde.

Um diese Zeit lebte also ein Bauer namens Zemelka (Zemełka) in Koschmieder. Ob er zu meinen frühen Vorfahren gehört, kann ich nicht sagen, aber es ist nicht auszuschließen, denn der Name Zemelka (Zymelka) kam in den Kirchenbüchern der Parochie Pawonkau sowie der Nachbarparochien Lublinitz und Lubetzko doch recht selten vor.

Folgende Kirchenbücher der zuvor genannten Parochien existieren noch und wurden von den Mormonen abgefilmt:

 

Parochie Pawonkau

Taufen 1765-1877, 1883-1943

Heiraten 1766-1875, 1883-1944

Tote 1733-1877, 1883-1945

 

Aus dem Zivilstandsregister

Geburten, Heiraten und Tote 1874-1884

Kirchenbücher der Kirchengemeinde Klein Lagiewnik (zu Pawonkau gehörend).

Dazu folgender Hinweis:

Den Bestimmungen von Artikel 88 des Versailler Vertrags entsprechend fand in der deutschen Provinz Oberschlesien, das nach dem Ersten Weltkrieg dem Völkerbund unterstellt war, am 20. März 1921 eine Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets statt. Die Abstimmung erbrachte ein für Deutschland günstiges Ergebnis: fast 60 Prozent der Bevölkerung votierten für den Verbleib beim Deutschen Reich und gegen den Anschluss an die Republik Polen. Polnische Freischärler begannen daraufhin am 3. Mai 1921 einen bewaffneten Aufstand, um den Anschluss an Polen gewaltsam durchzusetzen. Unterstützung erhielten sie dabei von französischen Besatzungstruppen. Großbritannien hingegen duldete die Bildung deutscher Kampfverbände. Zu diesem Zweck wurden aufgelöste Freikorps mobilisiert, die am 23. Mai 1921 mit der Erstürmung des Annabergs die stärkste Befestigung der Polen einnahmen.

Die Auseinandersetzung um Oberschlesien endete mit einer für Deutschland ungünstigen Teilung des Gebiets. Am 20. Oktober 1921 beschloss der Oberste Rat der Alliierten nach einer Empfehlung des Völkerbunds, das ostoberschlesische Industrierevier entgegen dem Wunsch der Bevölkerung an Polen zu übertragen. Beim Deutschen Reich verblieb der zwar flächenmäßig größere, jedoch rein agrarisch strukturierte Teil des Abstimmungsgebiets. Die Abtretung Ostoberschlesiens, die in Deutschland Empörung und eine Welle nationaler Leidenschaft in allen politischen Parteien hervorrief, wurde staatsrechtlich mit dem deutsch-polnischen Abkommen am 15. Mai 1922 vollzogen.

Die Grenze zwischen Polen und Deutschland verlief mitten durch die Parochie Pawonkau. Klein Lagiewnik lag westlich der Grenze und gehörte zu Deutschland, Pawonkau lag östlich der Grenze und gehörte nun zu Polen. Etliche Deutsche, die östlich der Grenze wohnten, gingen in Klein Lagiewnik oder Zawadzkie bzw. Guttentag zur Kirche. Daher sind Einträge aus dieser Zeit (1921-1939) auch in den Büchern dieser Kirchengemeinden zu finden.

Kirchenbücher Klein Lagiewnik

Taufen 1927-1949

Heiraten 1927-1949

Tote 1927-1949

 

Parochie Lubetzko

Taufen 1726-1945

Heiraten 1729-1926

Tote 1726-1944

 

Parochie Lublinitz

Taufen 1685-1922, 1927-1949

Heiraten 1685-1921, 1927-1949

Tote 1685-1927, 1927-1949

 

Die Kirchenbücher sind überwiegend in recht guter lesbarer Qualität, es gibt aber Seiten mit Tintenfraß, Wasserflecken und verblasster Schrift, so dass ich nicht alle Einträge eindeutig auswerten konnte. Zudem gibt es Fehler bei den Einträgen, so wurden z. B. Namen verwechselt, falsch oder sehr unleserlich geschrieben. Es fehlen sicher auch Einträge. Die Pfarrer haben die Kirchenbücher nicht immer fortlaufend geführt, sondern die Daten auch nachträglich aus Listen in die Bücher übertragen.

Vom Beginn der Aufzeichnungen bis ca. 1765 wurden die Bücher in lateinischer, danach in deutscher Sprache geführt. Die Namen wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts häufig noch in polnischer Sprache und teilweise polnischen Buchstaben geschrieben. Zudem wurden bei den Mädchen-/Frauennamen noch polnische Endungen (Suffixe) verwandt (z. B. anstatt Koza Kozionka).

Die Altersangaben in den Heirats- und Sterbebüchern sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie weichen häufig vom tatsächlichen Alter ab, dennoch sind sie ein hilfreicher Hinweis.

Für meine Nachforschungen habe ich die Kirchenbücher der Parochie Pawonkau vollständig, die Kirchenbücher der Parochien Lubetzko, Lublinitz, Guttentag, Schierokau, Sodow und Koschentin teilweise ausgewertet. Die Kirchenbücher der Parochien Keltsch, Groß Stehlitz, Sandowitz und Zawadzkie habe ich noch nicht ausgewertet.

Herkunft und Bedeutung von Familiennamen - Herkunft des Namens Zemella
January 23, 2013 - 2:12:41 p.m.

Herkunft und Bedeutung von Familiennamen

Die Onomastik ist die Wissenschaft der Namen und wird auch als Namenforschung oder Namenkunde bezeichnet. Der Begriff Onomastik leitet sich von dem griechischen Wort "onoma" ab, das so viel wie "Name" bedeutet. Sie ist eine Teilwissenschaft der Sprachwissenschaft und beschreibt die Eigenschaften von Eigennamen (zum Beispiel Vornamen, Familiennamen, Ortsnamen) bis ins kleinste Detail.

Die Onomastik befasst sich mit dem WIE und WARUM der Namensgebung, wann sie begonnen hat, mit der ursprünglichen Bedeutung der Namen und ihren verschiedenen Schreibweisen.
Onomastik ist ein sehr weites Feld und wird zum einen von den Naturwissenschaften zum anderen von den Geisteswissenschaften beeinflusst.

Bis ungefähr ins 12. Jahrhundert reichte es aus, Personen nur mit einem Namen anzusprechen, mit dem Rufnamen. Orte waren klein, und oft gab es nur einen Konrad oder einen Klaus in einem Dorf. Namenmoden führten nun aber dazu, dass der heimische Rufnamenschatz erheblich ausgedünnt wurde, da einige wenige Rufnamen populär wurden. Das führte dazu, dass viele Menschen denselben Rufnamen trugen.

Auch durch das rasante Städtewachstum im späten Mittelalter reichte ein Name bald nicht mehr aus. Die Bewohner mussten eindeutig anzusprechen sein. So entwickelte sich der Trend, ihrem Rufnamen im Gebrauch zunächst beschreibende Wörter beizufügen. Man begann den einen Konrad "den kleinen Konrad" zu rufen, den anderen "Konrad den Schmied". Der Beiname war entstanden. Ein Beiname war nur an die jeweilige Person gebunden, andere Familienmitglieder hatten ihre eigenen Beinamen.

Auf lange Sicht aber waren Beinamen ungeeignet. Landbesitz, Steuerzahlungen usw. mussten sich sicher einer Person zuordnen lassen. Beinamen hingegen funktionierten nur, solange sich alle Beteiligten persönlich kannten. Mit nur einem zeitlichen Abstand von ein oder zwei Generationen war die Bedeutung amtlicher Dokumente nicht mehr nachvollziehbar. Deshalb begann sich langsam der feste Nachname durchzusetzten. Um als fester Nachname zu gelten, mussten

folgende Kriterien erfüllt sein. Der Name musste

•amtlich verbindlich sein,

  • lebenslang bestehen und
  • vererbt werden.

Unseren Nachnamen liegen ganz normale Wörter als Ursprung zu Grunde. Diese Wörter charakterisierten eine Person zu einer bestimmten Zeit auf eine Weise, durch die sich diese Person von der Masse abhob.

Der Übergang vom Beinamen zum Nachnamen begann etwa im 12. Jahrhundert, begann im Südwesten und verbreitete sich im 13./14. Jahrhundert bis in den Nordosten. Dabei wurden Städte eher erfasst, als das Land, wo das einnamige Modell stellenweise noch im 17./18. Jahrhundert funktionierte. Adlige und Patrizier waren Vorreiter dieser Entwicklung. Einfache Leute, Knechte und Dienstboten bekamen Nachnamen tendenziell später.

Unsere Nachnamen lassen nach deren Benennungsmotiven in verschiedenen

Gruppen kategorisieren.

Diese fünf Gruppen sind:

Berufsnamen: Nachnamen, die sich vom Beruf ableiten, wie z.B. Fischer,

Müller, Bauer. Aber auch Geräte und Kleidung, die mit einer bestimmten Berufsgruppe assoziiert sind, gehören hierher, z.B. Hammer (Schmied), Beil (z.B. beim Zimmermann) oder Mehlhose (für einen Müller) gehören in diese Gruppe.

Übernamen: Übernamen sind Namen, bei denen eine Person durch auffallende Körpermerkmale oder charakterliche Eigenschaften benannt wurde. Personen konnten groß (Groß, Große), klein (Kurz, Kurze), kahl (Kahlkopf), gefräßig (Pfannkuchen) oder Frühaufsteher (Morgenschweiß) sein.

Herkunftsnamen: Nachnamen, die aufgrund der Herkunft einer Person aus einem Ort oder einer Region vergeben wurden, heißen Herkunftsnamen. Die ursprüngliche Bedeutung dieser Namen läßt sich also mit "der aus ...". Es war der Zuzug einer Person aus dem jeweiligen Ort, der sie von den Alteingesessenen unterschied. Kam z.B. ein Heinrich aus Altenburg nach Kassel, konnte er dort "Heinrich aus Altenburg" oder "Heinrich, der Altenburger" gerufen werden. Der Ortsname Altenburg wurde in der Fremde als Beiname angefügt.

Wohnstättennamen: Ein Ort oder eine Stelle innerhalb einer Siedlung liegt diesen Namen zu Grunde. Besonders markante Punkte in der Nähe der Behausung oder Charakteristisches der Behausung selbst konnten als Ansatzpunkt für einen Beinamen dienen. Wohnte jemand an einem Anger, konnte daraus der Familienname "Anger" oder "Angermann" entstehen. Eine Person, die an einem auffallenden Baum wohnte, konnte "Baum" gerufen werden.

Patronymische Familienamen (Vatersnamen): Man fügte an einem Rufnamen den Namen des Vaters (selten auch einer anderen Leitfigur) an, z.B. "Friedrich, Gerhards Sohn" oder "Gerhards Friedrich". Diese Beinamen konnten sich dann zum Familiennamen verfestigen, "Gerhard" oder "Gerhard(s)".

 

Herkunft und Bedeutung des Namens Zemella

Schon früh habe ich wissen wollen, was der Name Zemella bedeutet. Ein Lehrer von mir sagte einmal, dass er sich von Semmel ableiten würde, meine frühen Vorfahren seien wohl Bäcker gewesen. Damit hatte ich mich lange Zeit zufrieden gegeben.

Bei einem Urlaubsaufenthalt in Norditalien (Gardasee) wurde ich von einem Italiener gefragt, ob ich Italiener sei oder italienische Vorfahren hätte. Er begründete seine Frage mit der Auskunft, dass in Italien, insbesondere Norditalien viele Familien mit diesem Namen leben würden. In Telefonbüchern fand ich diese Aussage bestätigt. Es gab etliche Familien mit meinem Familiennamen, so in Bozen, Trient, Meran, Verona, Bologna, Rom, Florenz. Sollten meine väterlichen Vorfahren aus Italien stammen und von dort nach Oberschlesien ausgewandert sein?

Viele Italiener, insbesondere aus Norditalien, sind vor mehreren Jahrhunderten in den Großraum Oberschlesien/Tschecholowakei ausgewandert, um dort zu arbeiten. Hätte sich dann aber der Name Zemella in einem anderen Sprachgebiet gehalten oder wäre er verändert worden? Die Endung –lla ist nicht typisch für den ehemaligen böhmisch/polnischen Sprachraum.

Ich suchte weiter nach der Herkunft und Bedeutung, ohne die beschriebenen Faktoren für die Namensbildung zu kennen. So malte ich mir selbst ein Namensbild aus dem Gefundenen:

1.

Die ersten Namensträger waren evtl. Müller (poln. mlec, zemlec = mahlen). Das Wort kommt ähnlich im ganzen indoeuropäischen Sprachraum vor:
lat. simila, it. semola = Weißmehl (auch die deutsche Semmel stammt daher), entspr. similare (it. semolare) = weiß-/feinmahlen,

2.

ZEMELLI, Varianten sind ZEMELLO und ZEMELLA, weitverbreitet vom Veneto bis zur Emiglia-Romagna (Norditalien). Es ist die in diesen Regionen korrespondierende Form von GEMELLI = Zwillinge, da in diesen Regionen das
"G" sich in ein "Z" verwandelt.
GEMELLI: Nachnamensform von Gemello "Zwilling", bezugnehmend auf Zwillingsgeschwister oder -Kinder.
Schlussfolgerung: Der Familiengründer war ein Zwillingskind.

3.

Zemjla leitet sich vom russischen zem ab und bedeutet Erde, Zemjla kann auch eine Variante des jüdischen Zeml sein, ein Name für einen Bäcker, der weiße "Rollen" (Brötchen) aus feinem Mehl herstellt. Weitere Varianten Zemila, Zemela, Zemla evtl. auch Semela, Zymela, Zemala, Zemalla, Symalla.

 

Bei meinen Recherchen benutzte ich auch mehr und mehr das Internet und fand dort Hinweise über einen Jan Zemełka (Dr. Zemelius), der Herkunft nach ein aus einer bürgerlichen Familie der Zemełek stammender, Medikus aus Konin:

Auszugsweiser Inhalt der Internetseite von Janusz Sobczyński und Paulina Wojtyniak:


JAN ZEMEŁKA (ZEMELIUS) *1539  +1607 Doktor der Medizin und Philosophie, ein bedeutender Bürger der Städte  Konin und Kalisz (Kalisch)

Jan Zemełka, genannt Zemelius, wurde wahrscheinlich 1539 in Konin geboren. Er stammt aus einer gut bürgerlichen Familie. Sein Vater Maciaj (+1581/1591) war Schulze in Kurow. Über seine Mutter Anna ist weiter nichts bekannt.

Er hatte zwei Brüder, Melchoir, genannt Golisz und Piotr, der später Pfarrer wurde, und zwei Schwestern, Anna, verheiratet mit Wawrzyniec Kołodziej, und Dorota i Małgorzata. Paweł Zemełka und sein Sohn Sebastian waren nahe Verwandte in Konin.

Die Existenz der Familie in Konin begründete Maciej Zemełka mit dem Kauf eines Grundstückes in Konin, auf dem er ein gemauerte Haus baute. Die Bauarbeiten führte sein Sohn Jan aus.

1560 begann Jan Zemełka in Krakau ein Studium, welches er 1569 mit dem Titel Magister beendete.

Anschließend studierte er in Padua/Italien, wo er am 25. Mai 1575 in Anwesenheit vieler Professoren den Doktor der Philosophie und Medizin erlang. Danach änderte er seinen Namen in Zemelius um.

Einige Jahre später kehrte er nach Kalisz zurück. Er war dort in seinem Beruf als Arzt tätig und erlang große Anerkennung. Er beeinflusste die sanitäre und medizinische Entwicklung der Stadt.

Später wurde er Schulze und in den Jahren 1580, 1586, 1588, 1589 und 1594 zum Bürgermeister gewählt. Im Jahre 1582 besaß er 2 Apotheken.
Um 1583 heiratete er Elżbietadie Tochter des Goldschmiedes Marcina Rożka und seiner Frau Anna. Seine Ehe blieb kinderlos. (Er kann also kein direkter Vorfahre von mir gewesen sein)

In Kalisz kaufte er von der Familie Szyszkowskich ein Haus.

Im April 1595 verließ er Kalisz für eine längere Zeit, um sich in Konin um den Bau der Kapelle św. Jana Chrzciciela bei der Pfarrkirche św. Bartłomieja zu kümmern. Diese wurde Mitte September 1595 fertig gestellt. Vorher stand an dieser Stelle eine von der Familie Ostrorog gestiftete Kapelle, von der er die Rechte des Patronats erwarb. Den Umbau übertrug er seinem Bruder Piotr, der ja Geistlicher war. Er stiftete eine Summe von 12713 florenów (was dem Kauf einiger Dörfer gleich kam).

Jan Zemełka war ein sehr großzügiger Mann. Er unterstützte das Krankenhaus  św. Ducha in Konin, das ein Vorort von Kolo war (1602) und Świętej Trójcy in Kalisz (1605). Mit einer Summe von 600 fl hat er die Stadt Konin beschenkt. 1602 spendete er der Universität Krakau eine große Summe als Stipendium für die Söhne der Stadt Konin.

Nach dem Tode Zemełkas erhielt die Kirche einen Großteil seines Vermögens, seine nahe Familie wurde aber auch großzügig finanziell unterstützt.     

Jan Zemełka ist am  29 Dezember 1607 gestorben. Es gibt in Konin eine Tafel, die dieses dokumentiert. Die Gebeine befinden sich unterhalb des Gewölbes der Kaplicy św. Jana Chrzciciela in Konin, die zu den herrlichsten und außergewöhnlichen Bauten in Großpolen gehört. Im  XX Jahrhundert wurden die Gemeine wegen einer Renovierung an eine andere Stelle gebracht.

Jan Zemełka ist in der Literatur sowie bei den Einwohnern von  Konin, Kolo und Kalisz nur wenig bekannt.

War ich mit Jan Zemełka aus Konin bzw. seinen Angehörigen verwandt?


Kostenthal


Im Zuge der Deutschen Ostsiedlung entstand zu Anfang des 13. Jahrhunderts an der Straße Cosel–Leobschütz das Dorf Kostenthal, das 1221 als Gossentin erstmals urkundlich erwähnt wurde. Es war nach deutschem Recht ausgesetzt und gehörte zu den Dörfern der Leubuser Propstei Kasimir. Mit der 1225 ausgestellten Gründungsurkunde verlieh der Oppelner Herzog Kasimir I. den deutschen Siedlern von Kostenthal jene Privilegien, wie sie bereits die Bürger von Zülz hatten. Im Besitz- und Zehntverzeichnis des Bistums Breslau (Liber Fundationis Episcopatus Vratislaviensis) aus der Zeit um 1305 wurde in Kostenthal ein Schulzenamt und eine Parochie erwähnt, die zum Dekanat Cosel gehörte. Bereits für das Jahr 1225 sind deutsche Kolonisten in Kostenthal überliefert, deren Mittelhochdeutsche Mundart im Gegensatz zu anderen Orten der Gegend im 16. Jahrhundert nicht slawisiert wurde, weshalb sich der kostenthalerische, schlesisch-deutsche Dialekt als Sprachinsel erhalten konnte.
In einem Rezess vom 8. März 1622 erkauften die Kostenthaler Bauern für 12.000 Taler ihre Befreiung vom Frondienst und erhielten die Zusicherung vom Landesherrn, dem Breslauer Fürstbischof Karl von Innerösterreich, weiterhin geistlicher Jurisdiktion zu unterstehen, was bis zur Säkularisation 1810 der Fall blieb, als der preußische Staat diese Rolle übernahm. Nachdem die Bürger von Kostenthal infolge der Gegenreformation zum römisch-katholischen Glauben zurückkehrten, wurde um 1730 das eigenständige Archipresbyterat Kostenthal gegründet.
1742 wurde Kostenthal mit dem größten Teil Schlesiens preußisch und 1816 dem Landkreis Cosel zugeordnet. Auch im 19. Jahrhundert war das Handwerk bedeutend für Kostenthal – die vielen Handwerker hatten sich in zwei Innungen zusammengeschlossen. Es bestanden im Ort außerdem eine Bäckerei, fünf Fleischerbetriebe und fünf Bockwindmühlen. 1901/1908 wurde die bis dahin innerhalb des Ortes eigenständige Freischoltisei Kostenthal (120 Einwohner im Jahre 1895) nach Kostenthal eingemeindet.
Der Zweite Weltkrieg endete für Kostenthal 1945, als der Ort von der Roten Armee besetzt und unter polnische Verwaltung gestellt wurde, die dem Ort den Namen Gościęcin gab. Der Großteil der deutschsprachigen Einwohner Kostenthals war geflohen oder wurde in der Folge vertrieben, im Gegensatz zu den umliegenden, zweisprachigen Dörfern konnte sich so keine starke deutsche Minderheit halten. In Gościęcin wurden nun polnische Vertriebene aus dem Dorf Biłka Szlachecka (heute Verchnja Bilka) bei Lemberg angesiedelt.
(aus Wikipedia)
In Kostenthal und Umgebung, auch südwestlich von Ratibor in Kranowitz, gab es viele Familien mit dem namen Zemelka, mehr als in Pawonkau. Kostenthal liegt gut 60 km Luftlinie südwestlich von Pawonkau und ca. 50 km Luftline nördlich von Ratibor. Verbindungen von hier nach dort sind mir nicht bekannt, aber nicht auszuschließen. In den Kirchenbüchern habe ich keine Hinweise auf Kostenthal gefunden.
Da bereits für 1225 deutsche Kolonisten in Kostenthal überliefert sind, die Namenentwicklung im westlichen deutschsprachigen Gebiet früher einsetzte, als im Osten, könnte der Name auch mit eingeführt worden sein. Dann wären aber Konzentrationen des Namens in (West-)Deutschland wahrscheinlich. Zudem wären in deutschsprachigen Namenkundebüchern sicher Hinweise auf diesen Namen oder ähnliche Namenvarianten vorhanden.


Die Verteilung von Telefonanschlussinhabern mit dem Namen Zemella und Varianten in Deutschland zeigt keine Konzentration auf ein Gebiet, in dem der Name bzw. die Namenvarianten entstanden sein könnten.
Die Verteilung der Namen in Polen zeigt eine deutliche Konzentration der Namenvorkommen im ehemaligen Oberschlesien, im östlichen Teil Polens kommen die Namen nicht oder nur selten vor, so dass davon auszugehen ist, dass der Name zwar einen polnischsprachigen Ursprung hatte, aber später von Deutschen getragen wurde.

In Polen kommen am häufigsten die Namen Zemela (127), Zymela (116) und Zymelka (76) vor. Zemela wäre die polnische Variante für Zemella, da es in der polnischen Sprache kein "ll" gibt.
 

Schließlich fand ich das Internetforum www.onomastik.com, wo ich nach einer eindeutigen Auskunft suchte. Von dort und aus einem polnischen Genealogieforum erhielt ich folgende Mitteilungen:

Zymełka ist eine Variante von Zymułka und eine Dialektform von zemła.

Im "SLOWNIK GWAR POLSKICH" (Poln. Dialektwörterbuch) von Jan Karlowicz, S. 427 findet man:

Zymułka = "bułka, przysmak"

bułka = Semmel. Brötchen

przysmak = Leckerbissen

 

Zymełka ist auch eine Variante von Zemła und bedeutet "Semmel". Das wird auch vom poln. Namenforscher Kazimierz Rymut bestätigt.

Zemełka 1525, Zymełka - von zemłeć "etwas in kleinere Stücke zerkleinen"; auch vom altpolnischen Wort "żemła", zemła "Weizenbrötchen, Striezel".

Quelle:

Autor: Kazimierz Rymut,

Titel: "Nazwiska Polaków. Słownik historyczno – etymologiczny" - "Nachnamen der Polen"- Historisch-etymologisches Wörterbuch

Verlag: Wydawnictwo Naukowe DWN, Kraków 2001.

(Die Jahreszahl 1525 ist ein Hinweis auf das Jahr, dem der Name erstmalig zugeordnet werden konnte – zu dieser Zeit lebte Maciaj Zemełka, der Vater von Jan Zemełka. Maciaj Zemełka soll aus einer Familie Zemełek stammen. Hat sich daraus der Name Zemełka gebildet? Und hat Kazimierz Rymut in seinem Buch Jan Zemełka bzw. seinen Vater gemeint?)

Das war für mich die Bestätigung, Zemella leitete sich von Zemełka ab und war ein polnischer Name, also keine italienische Abstammung!

Bei dem Buchstaben "ł" handelt sich um einen polnischen, der wie das "w" in den englischen Wörtern  "water" oder "what" ausgesprochen wird. Da das polnische "z" wie ein "s" ausgesprochen wird, lautete der Name also wie Semewka, wobei die Buchstaben "ew" jeder für sich ausgesprochen werden und das "w" dabei wie im englischen Wort water.

 

Nachfolgend die Namenverteilungen von Zemela, Zemella, Zymela, Zymella, Zemelka und Zymelka in Deutschland und Polen.

Zemella pp. in Deutschland

Zemela und Zymela sind die polnischen Schreibweisen von Zemella und Zymella, Zemelka und Zymelka die Ursprungsnamen, aus denen sich im Bereich der Parochie Pawonkau später der Name Zemella entwickelt hat.

In Deutschland sind die Namen Zymelka, Zemelka und Zemella am häufigsten vertreten.

 

 

Zemela

 

Zemella

 

Zymela

 

Zymella

 

Zemelka

 

Zymelka

 

Zemella pp. in Polen

In Polen konzentrieren sich die Namen hauptsächlich auf das Gebiet vom ehemaligen Oberschlesien und hier insbesondere auf Bytom, Gleiwitz, Kreuzburg, Lublinitz, Tarnowitz, Strehlitz. Auch wenn der Name Zemelka (Zymelka) mit seinen Varianten im polnischen Sprachraum entstanden sein dürfte, ist er wohl kein reiner polnischer Name. Sonst würde er vermutlich in anderen Bereichen Polens häufiger vorkommen. Im Bereich von Kalisch und Konin kommt der Name heute nicht mehr vor.

 

Zemela

 

Zemella

 

Zymela

 

Zymella

 

Zemelka

 

Zymelka

 

Zemella in Italien

Leider wird keine Angabe über die Anzahl der Telefonanschlussinhaber gemacht. Es wird nur mitgeteilt, dass der Name in 39 Kommunen vorkommt. Die anderen Namenvarianten kommen in Italien nicht vor, dafür aber Zemello, Gemelli und Gemello.

 

 

 

 

 

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Genealogische Daten aus [Zemella]
This family tree was last updated on February 24, 2013.
Individuals5,991
Males3,120
52.1%
Females2,870
47.9%
Total surnames916
Families1,587
Sources4
Media objects0
Repositories0
Total events7,177
Total users7
Earliest birth year1683Hedwigis Polochowna
Birth about 1683 -
Death March 14, 1783 (Age 100) - Solarnia
Latest birth year2010This information is private and cannot be shown.
Earliest death year1734Gregorius Wonsik
Death April 22, 1734 - Koschmider
Latest death year2011 Gertrud Bartsch
Birth July 16, 1924 36 36 - Neu Schmollen
Death February 16, 2011 (Age 86) - Pforzen
Person who lived the longest108Hedwig Dombek
Birth September 26, 1838 37 35 - Schierokau
Death August 6, 1947 (Age 108) - Rozgol
Average age at death34Males: 35   Females: 34
Family with the most children16Thomas Cziudey + Marianna Niestroy
Marriage February 5, 1809 - Pluder
Average number of children per family2.94 
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